Der Strahl - Horn im Fluss
In Wachstumsschüben verlassen die gebildeten Hornröhrchen, im Zwischenröhrchenhorn liegend die Strahllederhaut ordnen sich mäanderformig und bilden den elastischen Hornstrahl.
Das Phänomen erinnert an den Umgang mit pastösen Massen denen ein Widerstand entgegensteht. Zum Beispiel beim morgendlichen ausquetschen der Zahnpaste legt diese sich ebenfalls mäanderförmig auf den Bürstenkopf.
Ob allein diese wellenartige Struktur der Hornröhrchen bereits eine plastische Verformung zulässt und damit Druck- und Zugkompensation erreichen kann ist zu hinterfragen. Eines ist jedenfalls sicher, eine höhere Elastizität wird dem Strahlhorn gegenüber den übrigen Hornen abverlangt. Andernfalls würde die plastische Verformung der Hornkapsel durch die Hufmechanik genauso wenig möglich sein,wie eine elastische Aufnahme des Bodengegendruckes und Weitergabe an das darüber liegende Hufkissen.
Ein Teil des Geheimnisses der höheren Elastizität liegt tatsächlich in den wellenartig gelagerten Hornröhrchen und Zwischenröhrchenhorn, das Strahlhorn ist dadurch in der Lage erheblich mehr Wasser einzulagern als es bei weniger elastischen Hornen der Fall ist und sorgt so für eine elastischere Konsistenz, obwohl die Hornsubstanz die gleiche ist. Das strukturell erhöhte Wassereinlagerungsvermögen im Strahlhorn ist nicht mit der Feuchteregulation des Hufes durch die Drüsen der Lederhaut zu verwechseln, die besonders zahlreich in der Region mittleren Stahlfurche besonders zu finden sind.
Oft witterungsbedingte hygroskopische Veränderungen der Untergründe haben, trotz ausreichender Feuchteregulation der Hufe Einfluss auf die Elastizität der Horne. Es kommt teilweise zu erosionsartigen flächigen Trennungen im Horn nach anhaltenden Trockenperioden und plötzlich einsetzender Feuchtigkeit. Bedingt durch die nun unterschiedlichen Elastizitäten des Hornes.
Inwieweit die harmlos einzustufenden Strahlmilchtaschen, bei denen zusammenhangsloses Horn wie eine milchige Flüssigkeit im Horn eingelagert ist, im direkten Zusammenhang mit dem Wassereinlagerungsvermögen der Struktur des Strahlhorn steht bleibt zu diskutieren.
Übrigens wussten sie eigentlich schon, dass man die Strahllederhaut mit der Ballen- und Saumlederhaut, hinsichtlich ihrer Beschaffenheit und Hornprodukte als eine gemeinsame Lederhaut betrachten kann.