Korkenzieher Strahlbeinband
Wie ein Korkenzieher verlaufen die kolateralen Strahlbeinbänder vom Fesselbein zum proximalen Rand des Strahlbeins und dem seitlichen Hufbein. Wird hier die Form hinsichtlich einer Zugbelastung selbst zum Menetekel?
Zwar erscheint im ersten Moment der Betrachtung, dass die kolateralen Strahlbein-Hufbein-Fesselbeinbänder schnell zu Überlastung neigen. Doch wenn man die Gesamthaltestruktur der Pferdezehe mit in Betrachtung zieht, dann beruhigt die Gewissheit, dass Einbettung des Strahlbeins nur einen Teil der Stabilisation übernehmen muss. Zusammen mit dem distalen Strahlbein-Hufbeinband folgt die Aufhängung dem Prinzip der Hängematte, wie wir es bereits bei den proximalen Sesambeinen im Haltekontext des Fesseltrageapparates kennengelernt haben. Hier kommen wesentliche stützende Strukturen von distal dazu. Das auf der Sehnengleitfläche mit Faserknorpelgewebe überzogene Strahlbein wirkt wie eine Walze , die lediglich bedeckt von einem mit Synovia gefülltem Schleimbeutel den Umlenkdruck der tiefen Beugesehne standhalten muß.
In der Stützbeinphase kommt sogar noch der Druck des darunterliegenden Strahlkissens dazu.
Fragt sich wozu das Strahlbein, angesichts dieser enorm hohen Druckkräfte überhaupt noch eine Aufhängung braucht. Eine Verlagerung des selben nach distal ist wohl nicht zur erwarten.
Wären da nicht noch die schwierig zu kompensierenden Scherkräfte die seitlich auf dieses Walzengelenk wirken wenn das Pferd und damit der Huf in Schräglage gerät. Das Hugelenk ist vergleichsweise ein Walzengelenk kein Kugelgelenk und eben nicht konzipiert seitlich wirkende Drücke zu kompensieren. Nun halten uns die kolateralen Strahlbeinbänder das Hufgelenk (vgl. ein Walzengelenk) zusammen, insbesondere das Strahlbein (vgl. die Walze) wird auf seine Position gehalten.
An dieser Stelle sollte man allerdings die Erwartungshaltung der seitlichen Haltebänder nicht zu hoch zu stellen. Bei dauernder Beanspruchung kommt es rasch zur Überbelastung und die Strukturen im Hufgelenk können schaden nehmen, dann spricht man von einem Hufrollensyndrom.
Zum Glück hat der Huf noch eine weitere Maßnahme parat diese wirkenden Scherkräfte zu minimieren. Die Hornkapsel, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr hart erscheint ist nämlich tatsächlich eine elastische Hautstruktur. Schräg einwirkende Kräfte werden durch temporär plastische Formveränderung der Horne im Zusammenspiel mit Hufknorpel und Hufkissen zu einem großen Teil kompensiert.
Das klappt am besten, wenn das Pferd über eine physiologisch günstig ausgerichtete Hornkapsel am Huf verfügt.
Fazit Bewegung in natürlicher Haltungsform, die eben auch eine Geradeaus für das Pferd ermöglichen und eine Trainingsmethode, die wirkende Scherkräfte gering hält schützen das Hufgelenk vor zu hohem Verschleiß. Falls es dann doch mal etwas schräg zugeht kompensiert der Huf mit seiner Anpassungsfähigkeit eben der Hufmechanik einen erheblichen Teil der Scherkräfte und die Anforderung an die Fesselbein-Strahlbein-Hufbeinbänder werden minimiert.